Wenn Widerstand sinnvoll ist
Lerne sinnvollen Widerstand zu erkennen
Wenn wir von Widerstand reden, dann können mindestens drei unterschiedliche Dinge gemeint sein. Zum einen der Widerstand, der offensichtlich ist, weil wir ihn offen ausüben.
Uns passt etwas nicht, und so äußern wir unseren Widerwillen dagegen, und wenn nötig zeigen wir unseren Widerstand.
Beispiel 1
Wenn zum Beispiel unser Partner vorschlägt, dieses Jahr einmal in Winterurlaub zu fahren, spüren wir sofort unseren Widerstand. Denn wir sind eingefleischte Sommerurlauber, und so machen wir ihm deutlich, dass das mit uns nicht geht.
Zeigt er daraufhin auf, dass wir in den letzten Jahren ja immer in den Süden gefahren sind, wächst unserer Widerstand. Wir wollen, und wir können nicht in Winterurlaub. Basta.
Unserem Partner ist unser Widerstand sicher. Notfalls recht vehement. Wir wollen nun mal in den Süden. Daran geht kein Weg vorbei. Also kämpfen wir mit allen Mitteln um unser Wohl. Schließlich wollen wir uns in südlichen Gefilden entspannen, also bleiben wir bei unserem Widerstand gegen den Winterurlaub.
Beispiel 2
Schon lange wollen wir mehr Bewegung in unser Leben integrieren. Das gelingt uns mal mehr, mal weniger gut.
Noch ist diese Bewegung nicht selbstverständlich für uns. Immer wieder spüren wir einen inneren Widerstand. „Ach, sich jetzt aufraffen, obwohl es gerade sooo kuschelig auf dem Sofa ist.“
„Das Wetter ist auch nicht gerade einladend, um sich draußen zu bewegen. Außerdem läuft im Fernsehen gerade ein guter Film. Hmmm. Wir können ja auch morgen noch etwas für uns tun. Entspannung ist ja auch mal gut. Und überhaupt, vielleicht ist das Wetter morgen ja auch wieder besser.“ So oder so ähnlich kann dein Widerstand sich bemerkbar machen. Dein innerer Schweinehund macht es möglich.
Beispiel 3
Du bist bei einer Freundin zum Geburtstag eingeladen. Komischerweise wirst du auffällig oft krank, wenn sich der Geburtstag der Freundin nähert. Immer wieder musst du die Einladung absagen. Merkwürdig. Du spürst auch eine gewisse Unlust. Irgendetwas hindert dich, die Einladung deiner Freundin anzunehmen.
Spürst du nun in deinem tiefen Inneren nach, – begibst du dich also auf Spurensuche,- so stellst du fest, dass du vielleicht aus Selbstschutz nicht zu der Freundin und ihrer Party gehen willst.
Du merkst plötzlich deinen tiefen inneren Widerstand, der mit aller Macht versucht, zu verhindern, dass du dieser Einladung nachkommst.
Denn jedes Mal, wenn du die Einladung deiner Freundin in früheren Jahren angenommen hast, hast du gemerkt, dass sie völlig wesensverändert wirkt.
Du erkennst sie kaum wieder. Sie verhält sich oberflächlich und bemüht sich immer künstlich, besonders lustig zu sein. So scheut sie sich auch nicht, auf deine Kosten Witze zu reißen, die dich vorführen. Dir tut das weh. Wenn du sie darauf ansprichst, winkt sie ab. Das sei doch gar nicht so gemeint, du seist doch ihre beste Freundin.
Du hast nun deinen Widerstand gegen diese Einladungen verstanden. Dein Körper wird lieber krank, als dass du dich nochmals einer solchen Situation aussetzt. So schützt du dich vor zu erleidendem Schmerz.
Unterscheiden lernen
Die 3 Beispiele machen deutlich, wie unterschiedlich Widerstand sein kann. Widerstand kann also durchaus sinnvoll sein. Nämlich immer dann, wenn es sich nicht um den vom inneren Schweinehund gesteuertem Widerstand handelt, bzw. den Widerstand, der sich klar und deutlich äußert. Da dieser offen auf der Hand liegt, spielt er an dieser Stelle keine weitere Rolle.
Wichtig ist nun, den tiefen inneren Widerstand erst einmal zu erkennen. Das ist häufig gar nicht so ganz leicht, denn gerade beim diesem Widerstand scheint es sich häufig gar nicht um Widerstand zu handeln. Gut ist es, wenn man sich durch Selbstbeobachtung und Achtsamkeit angemessen und ausreichend kennt. So kann man zumindest vermuten, dass bestimmte eigene Reaktionen einen versteckten Hintergrund haben, nämlich eigentlich auf einem Widerstand basieren.
Hat man erkannt, dass das eigene Verhalten auf Widerstand basiert, muss man schauen, woher dieser kommt. Welche Ursache kann dieser Widerstand haben?
Während der Widerstand, der durch einfache Unlust entsteht, gebrochen werden sollte, um das Erforderliche, oder Angestrebte auch zu schaffen, sieht es beim begründeten Widerstand anders aus. Dieser Widerstand hat seinen Sinn.
Widerstand kann Schutz bedeuten
Er fußt möglicherweise auf Gründen, die uns schützen sollen. Denn wenn wir es mit Widerstand zu tun haben, der in unserer Seele seinen Ursprung nimmt, dann kann es sein, dass wir ganz tief drinnen wissen, was besser für uns ist.
Wenn wir beispielsweise auf eine Arbeitsstelle mit häufiger Krankheit reagieren, müssen wir uns fragen, warum wir so oft erkranken. Ob die Erkrankungen ursächlich mit dem Job zu tun haben, und ob an dieser Stelle handeln gefragt ist.
Stellen wir also fest, dass wir einen inneren Widerstand gegen diese Arbeitsstelle haben, dann kann es gut sein, dass unsere Psyche reagiert, dieses aber bisher nicht in unser Bewusstsein gedrungen ist. Vielleicht werden wir ja gemobbt, und sollten eigentlich den Job wechseln. Oder wir arbeiten unter einem Chef, der versucht, uns regelmäßig herab zu würdigen.
Folge wäre ein Widerstand, der seine Berechtigung hat und sinnvoll ist. Er macht uns aufmerksam darauf, dass wir leiden würden, wenn wir diesen Widerstand nicht hätten.
Auch kann es sein, dass wir uns an bestimmte Erfahrungen und Erinnerungen von früher nicht mehr erinnern wollen. Wir üben Widerstand, weil wir wissen, dass ein Zulassen dieser Erinnerungen, bzw. ein Bewusstmachen alter Erfahrungen uns möglicherweise in ein emotionales Loch reißt. Auch in diesem Fall schützt uns der eigene Widerstand.
Vielleicht sollen wir also etwas unterlassen, damit wir nicht leiden müssen, oder nicht krank werden. Unsere Seele merkt häufig viel früher als unser Bewusstsein, dass etwas nicht gut für uns ist.
In diesem Fall ist Widerstand also durchaus sinnvoll. Nur dauert es, bis dieser unserer Aufmerksamkeit nicht mehr entgeht.
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