Über den Umgang mit Trauer & Angst

Was kann ich selbst dafür tun, dass es mir wieder besser geht?

Heute (am 16. November 2015) und in den letzten Tagen sind wir alle betroffen. Keiner konnte sich der Berichterstattung über die Attentate von Paris am Freitag, 13.11.2015 entziehen. Alle Medien berichten seit Freitagabend auf die eine oder andere Art darüber. Was bei vielen bleibt, ist nicht nur Anteilnahme und Trauer, sondern auch Angst.
Beim Kartenspielen in der Kneipe, im Sportstudio usw., überall sind Menschen, die sich Gedanken machen. Angst haben. Betroffenheit zeigen. Doch, wie gehe ich mit meiner Trauer um? Wie mit meiner Angst? Psychologen sagen gern, dass Trauerarbeit geleistet werden muss. Aber was bedeutet das genau? Gemeint ist in diesem Fall die persönliche Trauer, die Trauer um einen verlorenen, geliebten Menschen z.B. oder die Trauer über den Verlust eines Arbeitsplatzes etc.

Jeder trauert mit sich allein

Jeder trauert mit sich allein

Trauerarbeit bedeutet, sich aktiv mit dem Verlust auseinander zu setzen. Sich zunächst Zeit zu geben, wirklich zu trauern, und mit der Zeit den Verlust, oder den Trauerauslöser zu bearbeiten. Und es bedeutet nicht, lieber aus Angst, vor einer überwältigenden, tiefen Trauer gar nicht zu trauern, sondern es bedeutet im Gegenteil, den überaus notwendigen Trauerprozeß zuzulassen.

Das heißt auch, sich damit auseinander zu setzen, was dieser Verlust mit einem Selbst macht. Sich selbst zu reflektieren, um zu verstehen, was die Trauer bei einem auslöst. Helfen tut auch, wenn man einem verständnisvollen Menschen sein Leid klagen darf. Dieser geduldig und empathisch mit der empfundenen Trauer umgeht, und Anteilnahme zeigt. Eine weitere Möglichkeit ist, seine Gedanken und Gefühle nieder zu schreiben, um sich von ihnen zu entlasten. Das Aufschreiben hilft beim Schritt des Loslassen, der in einer Trauerphase irgendwann unweigerlich auf den Trauernden zukommt.

Die Attentate von Paris lösten eine kollektive Trauer aus. Es trauern auch Menschen, die keinen persönlichen Verlust erlitten haben. Sie trauern, weil sie empathisch sind, weil sie mitfühlen, und weil ihnen klar ist, dass auch sie betroffen sind. Einfach, weil der IS unsere Freiheit im Allgemeinen bedroht, wir alle von ihm zum Feind erklärt wurden. So etwas macht Angst. Große Angst. DAS beschäftigt die Menschen und schafft Solidarität.

Diese kollektive Trauer ist eine andere Form der Trauer. Man teilt seine Trauer auf eine ganz bestimmte Weise mit allen anderen, die diese Trauer teilen. Zeigt sie durch Blumen niederlegen, Kerzen anzünden, oder posten. Man fühlt sich verstanden, und ist nicht allein.

Auch der aus den Umständen entstehenden Angst kann auf diese Weise begegnet werden. Es gibt die Möglichkeit, darüber zu reden, da man überall Gesprächspartner findet, die dieses Thema ebenfalls berührt oder ihnen eventuell sogar auch Angst macht. Man ist nicht allein.

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Psychologische Beraterin & Paarberaterin in eigener Praxis seit 2001. In Hamburg lebend und praktizierend. Bietet seit 2010 auch mobile Beratung im Hamburger Umkreis an. Für alle, die nicht aus Ihrem Einzugsgebiet kommen, bietet sie ebenfalls Telefoncoaching an. Ihre Arbeitsweise ist kreativ und intuitiv, Klientenbezogen. Bekannt unter dem Begriff: "Individuelle Wegbegleitung". Sie schreibt Bücher und betätigt sich künstlerisch.

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