Leben mit einem passiv-aggressiven Partner I

Es fordert unendlich viel Geduld und bringt noch mehr Enttäuschungen mit sich

Passive Aggression beim Partner ist schwer auszuhalten. Als betroffene Partnerin, denn meist sind es Männer, die passiv-aggressiv sind, fühlt man sich häufig allein gelassen. Man sucht im Internet, und findet kaum Informationen über das Problem, was einem selbst zu schaffen macht. Auch ist dies besonders schwer zu (be-)greifen.

Das Hauptproblem besteht darin, zu verstehen, dass etwas über das „normale“ Maß in einer Beziehung hinaus nicht in Ordnung ist. Das Verhalten des Partners ist nämlich zunächst nicht einfach einzusortieren. Da er ja als überaus liebevoller Partner in die Beziehung eingestiegen ist, dauert es erfahrungsgemäß recht lang, bis die Partnerin versteht, dass hinter der scheinbaren Harmlosigkeit in Wirklichkeit eine hochgradige Aggression steckt.

Das Verhalten des passiv-aggressiven Partners fördert die Aggression der Partnerin

Das Verhalten des passiv-aggressiven Partners fördert die Aggression der Partnerin, weil er nicht zu seiner Aggression stehen kann.

Es ist viel leichter, mit offener, klarer Aggression umzugehen, als mit dieser gut getarnten aggressiven Form. Hinzu kommt, dass der passiv-aggressive Partner alles daran setzt, seine Aggression zu leugnen. Diese Leugnung geht so weit, dass er selbst felsenfest davon überzeugt ist, keinerlei aggressive Gefühle zu haben.

Der Prozess, der die passive Aggression langsam zutage fördert, ist schleichend. Erst kommt immer häufiger ein unangenehmes Gefühl. Ein Gefühl, welches auch die Partnerin nicht so Recht zu deuten weiß. Bei der passiven Aggression ist gerade zu Beginn viel Unklarheit im Spiel.

Die Partnerin ärgert sich z.B. darüber, dass ihr Partner nach Hause kommt, und meint: „Wieso bist du denn noch nicht fertig, die anderen kommen doch jeden Moment.“ Sie fällt aus allen Wolken und wird sauer, weil er ihr nicht mitgeteilt hat, dass ein befreundetes Paar die beiden gleich zum gemeinsamen Ausgehen abholt. Natürlich erlebt sie Streß, denn schon klingelt es an der Tür, während sie noch in legerer Freizeitkleidung in der Wohnung herum turnt. Es kommen also zwei Dinge zusammen. Der Ärger, nichts von der Verabredung gewusst zu haben, mischt sich mit dem Problem, nicht fertig zu sein. Das allein kann unter Umständen schon ganz schön wütend machen.

Nun kommt aber der Partner, und behauptet auch noch steif und fest, er habe ihr selbstverständlich von der Verabredung erzählt, es sei ihre Schuld, wenn sie mal wieder nicht zugehört hätte. Es täte ihm leid, dass sie nun nicht fertig wäre.

Zu ihrer Wut gesellt sich nun das unbestimmte Gefühl, auch noch versagt zu haben. Ärgerlich und unter Stress versucht sie, sich schnell möglichst fertig zu machen. Es ist alles gut, bis sich ähnliche Erlebnisse häufen. Die Partnerin fängt irgendwann an, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln. Eigentlich weiß sie doch genau, dass er ihr garantiert nicht erzählt hat, dass er ein Geschäftsessen hat, und entschieden später als sonst nach Hause käme. Sie hatte sich so auf diesen Abend mit ihm gefreut, und ein tolles Abendessen zubereitet. Wer nicht kam, war er.

Zur Enttäuschung gesellt sich bald Wut. Wieder hat er behauptet, ihr die Umstände mitgeteilt zu haben. Sie habe es ihrer eigenen Unaufmerksamkeit zu verdanken, dass sie vergeblich auf ihn gewartet hätte. Dies ist ein Spiel, mit dem er lange Zeit seine passive Aggression verstecken kann. Irgendwann aber kommt der Zeitpunkt, an dem sie merkt, dass sich solche und ähnliche Begebenheiten regelmäßig wiederholen. Sie, als liebende Partnerin beginnt zu begreifen, dass hinter dem, was er tut, bzw. häufig nicht tut, keinesfalls der liebende Partner steckt, sondern vielmehr ein passiv-aggressiver Mann.

Und je mehr sie entdeckt, dass eigentlich Aggression hinter seinem „ach so harmlosen“ Verhalten steckt, desto aggressiver wird sie selbst. Sie ist nicht nur verletzt, empört oder wütend über das Geschehnis, sondern darüber, dass sie auch noch die Verantwortung dafür tragen soll, weil er sich immer aus der Affäre zieht. Es macht unendlich wütend, gleich unter zwei Dingen zu leiden. Dem vom passiv-aggressiven Partner verursachten Umstand, und noch obendrauf unter seiner Schuldverschiebung. Nie würde er zugeben, dass er einfach vergessen hat, ihr von dem Termin zu berichten.

Im Laufe der Zeit häufen sich Ereignisse, bei denen seine passive Aggression immer mehr zutage tritt. Macht die Partnerin ihn darauf aufmerksam, so streitet er obendrein auch noch alles ab. Schließlich ist er überzeugt davon, eher Harmonie süchtig, denn Streit süchtig zu sein. Genau diese Haltung macht das Leben mit einem passiv-aggressiven Menschen immens schwer. Es ist genau diese Uneinsichtigkeit, die es einem Paar kaum ermöglicht, dieses Problem in den Griff zu bekommen.

In Kürze werden weitere Beiträge zu diesem Thema hier erscheinen. Den zweiten Beitrag zum Thema findest du hier. Interessieren könnte dich auch der Beitrag über „Passive Aggression„. 

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Foto: AtelierBlock – Titel: „Bleib“ – Bearbeitet: nein
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Almut Bacmeister-Boukherbata
Psychologische Beraterin & Paarberaterin in eigener Praxis seit 2001. In Hamburg lebend und praktizierend. Bietet seit 2010 auch mobile Beratung im Hamburger Umkreis an. Für alle, die nicht aus Ihrem Einzugsgebiet kommen, bietet sie Telefonberatung an. Ihre Arbeitsweise ist kreativ und intuitiv, Klientenbezogen. Bekannt unter dem Begriff: "Individuelle Wegbegleitung". Sie schreibt Bücher und betätigt sich künstlerisch.
Almut Bacmeister-Boukherbata

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