Empathie verstehen & lernen II

Zweiter Schritt auf dem Weg zur Empathie

Der erste Schritt, um Empathie zu lernen, ist ja die Selbstbeobachtung. Einfach mal für einen kurzen Augenblick die Aufmerksamkeit auf sich selbst lenken, und in sich spüren. Achtsamkeit einfach in das eigene Leben einbauen. Sich seiner Selbst bewusster werden. Ziel dessen ist:

Ich muss lernen, meine eigenen Gefühle und deren Motivationen zu erkennen und zu verstehen. Dazu braucht es diese Achtsamkeit, die uns lehrt, auf uns und unsere eigenen Gefühlen in den unterschiedlichsten Situationen zu achten. Das ist übrigens schwieriger, als man annehmen sollte, denn oberflächlich betrachtet, scheint es so zu sein, als würden wir uns und unsere Gefühlsregungen ja kennen. Hätten es nicht nötig, uns selbst und unsere Gemütsregungen besser kennen zu lernen.

Welche Gefühle hat der Junge, und was braucht er?

Welche Gefühle hat der Junge, und was braucht er?

Bei diesem zweiten Lernschritt geht es nun um mehr. Nämlich darum, sich selbst zu beobachten, und notfalls anhand seiner persönlichen Körpersprache aufmerksamer für eventuelle Gefühle zu werden. Mithilfe der Aufmerksamkeit, die zusätzlich auf das eigene innere Erleben gerichtet wird, lerne ich zu verstehen, warum ich in diesem Moment so, und nicht anderes empfinde.

Unsere Gefühle werden nämlich durch eine Vielzahl von äußeren Umständen beeinflusst. Sie sind zudem geprägt durch unsere Kultur und unsere Erziehung. Nicht zuletzt wirken natürlich auch unsere persönlichen Prägungen und Erfahrungen auf unsere Gefühle und unseren Umgang damit.

Sind wir z.B. auf der Arbeit, dann reagieren wir anders, als im Privatleben. Angenommen, ein Kollege sagt etwas für uns Verletzendes, dann werden wir in der Regel nicht in Tränen ausbrechen, und auch keinen Wutausbruch bekommen. Im Gegenteil. Wir neigen in dieser Situation eher dazu, die Verletzung zu kaschieren, und nicht zu zugeben. Unser Körper könnte allerdings mit Verspannung reagieren, so dass wir Kopfschmerzen davon bekommen.

Daheim würden wir, wenn wir in einer vertrauensvollen Situation sind, bei Verletzungen eher in Tränen ausbrechen, oder unsere Tränen verdrängen, und mehr mit Wut reagieren. Unsere Gefühle passen sich also scheinbar auch der Situation an, in der sie entstehen.

So gesehen kann man nachvollziehen, WIE wichtig es ist, sich selbst zu beobachten, und im zweiten Schritt die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Also, wie in unserem Beispiel oben, zu beobachten: „Mich verletzt, was mein Kollege gesagt hat. Dennoch lächle ich. Das liegt daran, dass ich auf der Arbeit bin, und hier keine Schwäche zeigen will. Eigentlich ist das ja eine unpassende Reaktion.“ So, und so ähnlich kann die Erklärung für die eigene Motivation sein.

Wie alles, so will auch dieses sich Selbstkennenlernen geübt werden. Es ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Empathie. Nur, wenn ich mich selbst, meine tieferen Gefühle und all meine eigenen Motivationen kenne, kann ich Gefühle auch bei anderen Menschen nachvollziehen und empathisch verstehen.

Nachtrag zum Foto:

Vermutlich hat der Junge etwas erlebt, was ihm Angst macht. Da er auf dem Sofa sitzt, und sich eine Schutzhöhle gebaut hat, liegt die Vermutung nahe, dass er etwas in einem Film gesehen hat, was ihn geängstigt hat. Es fällt auf, dass er scheinbar allein ist. Also hat er vielleicht eine nicht für ihn geeignete Sendung gesehen, oder Papa und Mama sind am Streiten, und das Kind möchte sich schützen. Der Junge bräuchte nun jemanden, der ihm diesen Schutz bietet, ihn in den Arm nimmt, und mit ihm über seine Angst spricht. Vor allem braucht er Verständnis und muss ernst genommen werden. Sätze wie: „Du sollst ja solche Sendungen auch nicht anschauen.“, oder „Es gibt keinen Grund Angst zu haben.“ sind da nicht hilfreich.

Die Gefühle von Kindern sind meist noch unverfälschter, und von daher leichter zu verstehen, da auf Angst eine Angstreaktion folgt, oder auf Ärger eine Wutreaktion. Schmerz führt zu Tränen, Freude zu lachen, usw. Bis, ja, bis es Kinder aberzogen wird, ihren Gefühlen entsprechend zu reagieren.

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Almut Bacmeister-Boukherbata
Psychologische Beraterin & Paarberaterin in eigener Praxis seit 2001. In Hamburg lebend und praktizierend. Bietet seit 2010 auch mobile Beratung im Hamburger Umkreis an. Für alle, die nicht aus Ihrem Einzugsgebiet kommen, bietet sie Telefonberatung an. Ihre Arbeitsweise ist kreativ und intuitiv, Klientenbezogen. Bekannt unter dem Begriff: "Individuelle Wegbegleitung". Sie schreibt Bücher und betätigt sich künstlerisch.
Almut Bacmeister-Boukherbata

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