Passive Aggression in Reinkultur – Teil 2/2

Wie verhalte ich mich bei passiv-aggressivem Verhalten

Bereits letzte Woche habe ich mich wieder einmal mit dem Thema der passiven Aggression auseinander gesetzt. Seitdem habe ich, wie schon so oft, darüber nachgedacht, ob die passive Aggression isoliert, d.h. ohne Begleitanzeichen anderer Störungen, existieren kann. Ich vermute nein, Sie scheint mir immer ein Ausdruck anderer Krankheiten zu sein.

Auf jeden Fall hatten alle Frauen, die mich bisher um Hilfe baten, immer Partner, bei denen die passive Aggression auch von anderen Symptomen begleitet wurden. So ist und bleibt Narzissmus, bzw. die narzisstische Persönlichkeitsstörung DIE Haupterkrankung schlechthin, auf deren Basis auch eine passive Aggressivität gedeiht.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Kann natürlich sein, dass passive Aggression nur in dieser Paarung so schlimm ist, dass sich Partnerinnen Hilfe suchend an mich wenden.  Sicher ist, dass passive Aggression das Opfer dieser indirekten Aggression zutiefst trifft. Die Adressatin leidet extrem und ähnlich wie beim Mobbing. Wie gesagt, die Grenzen zur narzisstischen Persönlichkeitsstörung sind fließend. Nicht umsonst ist der Narzissmus heutzutage ein solch großes Thema. Noch vor wenigen Jahren unter Laien gänzlich unbekannt, ist diese psychische Störung mittlerweile in aller Munde.

Ich widme mich jedoch weiterhin dem Teilaspekt, der passiven Aggression. Für dich ist es vermutlich auch nicht wichtig, ob du unter deinem Partner leidest, weil er „nur“ passiv-aggressiv ist, oder ob er auch noch eine ausgewachsene narzisstische Persönlichkeitsstörung hat. Wichtig erscheint mir DEIN Leid, deine Verzweiflung und deine Hilflosigkeit.

Aufgeschlagenes Notenbuch mit Schattenhand und Schattenblume

Schütze dich selbst, in dem du für deine Entspannung sorgst

Dein Schmerz

Du bist diejenige, um die sich hier alles dreht. Denn auch du suchst Hilfe, sonst würdest du nicht hier landen, wo ich zu diesem Thema blogge. Dein Schmerz ist vermutlich riesig, denn sicher hast du bereits alles in deiner Macht stehende getan, um der passive Aggression deines Partners beizukommen, bzw. mit ihr umzugehen. Lasse dir eins an dieser Stelle gesagt sein: DU bist nicht die Ursache für die passive Aggression deines Partners.

Egal, wie du dich verhältst, letztendlich wird seine passive Aggression auch in eurer Beziehung durchbrechen. Dass er seine aggressiven Gefühle nicht adäquat ausdrücken kann, ist nicht deine Schuld. Du bist das Opfer. Denn passive Aggression tut nicht nur weh, sondern kann dich auch total durch einander bringen.

Wenn du z.B. etwas Wichtiges vermisst, von dem ganz sicher glaubst, du wüsstest, wo du es hingelegt hast, dann kann es sein, dass du dein Liebster etwas mit dem Verschwinden zu tun hat. Dabei will ich ihm gar nicht unterstellen, dass er deine Sachen absichtlich versteckt hat. Es kann allerdings sein, dass er ganz zufällig etwas darüber gelegt hat, so dass es nicht mehr auffindbar ist.

Du suchst, und suchst, involvierst ihn, zeigst ihm deine ganze Verzweiflung, und fängst schlussendlich an deinem Verstand zu zweifeln. Denn du erinnerst dich doch genau, wo du deine Sachen gelegt hast. Nur, dort liegen sie nicht mehr. Vermutlich hilft ER dir sogar beim Suchen, lässt nicht locker, schließlich ist er ein netter Kerl. Finden tut er deine Sachen jedoch nicht. Zurück bleibt doppelte Verzweiflung. Zum einen, weil du deine Sachen dringend benötigst, UND, weil du allen ernstes an deinem Verstand zweifelst.

Symbolhafte Vereinfachung eines Mannes mit hängenden Arm, und vielen grauen boxenden Männchen

Nach außen passiv, nach innen aggressiv und kampfbereit

Der nette Mann

Vielleicht bist du dir im Klaren darüber, dass passiv-aggressive Männer nicht nur ihre Aggressionen verstecken, und ernsthaft glauben, sie hätten keine, sondern auch, dass ihnen viel daran gelegen ist, der nette Mann zu sein. So kann es vorkommen, dass er dir, als ihr gerade einmal zusammen unterwegs seid, etwas Schönes schenkt.

Du freust dich sehr, und fast sind alle Probleme zwischen euch, wie fortgeblasen. Du bist völlig begeistert, und angetan von ihm. Er ist eben doch ein besonders Lieber. Wahrscheinlich sind die anderen Dingen immer nur Missverständnisse.

Bis, ja bis ihr daheim ankommt, und er alles herein trägt, bis auf dein Geschenk. Da kommen die Erinnerungen hoch, dass du solche Situationen kennst… Wenn dir etwas Freude macht, hat er eine Methode, dir diese Freude zu nehmen.

Du sprichst ihn darauf an, und er entschuldigt sich dafür, Er würde es bei nächster Gelegenheit mit herein bringen. Du merkst, dass es ihm auch nicht passen würde, wenn du es dir selbst herein holen würdest. Deine Freude schwindet. Wollte er dir wirklich eine Freude machen, so würde er das Geschenk sofort holen. Er sorgt jedoch dafür, dass sich so deine anfängliche Begeisterung in Luft auflöst.

Gesicht in sw, halb Mann, halb Löwe

Wenn sich dein passiv aggressiver Partner in einen aggressiven Löwen verwandelt

Aber du willst ihn nicht drängen. Weißt, dass das nichts nützt. Ihn im Gegenteil eher noch verdrehter macht, und du wieder dafür bezahlen musst. Tatsächlich wartest du auf dein Geschenk 1 Woche. Dann endlich, und nach mehreren Bitten bringt er dein Geschenk aus dem Auto mit. Deine Freude ist nun endgültig getrübt.

Wie solltest du dich verhalten?

Natürlich ist es schwierig, pauschal eine Antwort zu geben. Versuche, deinem Partner keine Nahrung für sein passive Aggression zu bieten. Du kennst ihn gut, und weißt bestimmt, auf welche Themen er besonders gern anspringt. Zeigst du dich im obigen Beispiel verletzt, hast du schon verloren. Schließlich will er dich ja verletzten, seine Wut bei dir gegen dich ausleben. Deine Wut hervor rufen, um sich selbst unschuldig darzustellen. „Ich habe doch gar nichts getan.“

Ähnlich, wie beim Narzissmus hat es sich bewährt, tatsächlich wenig Angriffsfläche zu bieten, und sich möglichst unsichtbar zu machen. Kämpfen hilft nicht,, weil man gegen Menschen, wie ihn einfach nicht gewinnen kann. Schütze dich, indem du dir sein Verhalten nicht mehr so massiv zu Herzen nimmst. Lass‘ es an dir abprallen, als wärst du unsichtbar. Schweige, wenn das geht. Gerade dann, wenn er sich selbst etwas hochschaukelt. Das macht er nämlich dann gern, wenn er mit seinen passiv-aggressiven Methoden keine Erfolge gelandet hat.

Er braucht dich als Opfer, als Publikum. Wenn du ihm jedoch aus dem Weg gehst, und seine versteckten Aggressionen ins Leere laufen, dann steigern sich seine Aggressionen noch. So kann es sein, dass er lautstark mit sich selbst pöbelnd durch die Wohnung läuft, und sich seine schlechte Laune weiterhin verschlechtert.

Mache dich nicht angreifbar. Werde nicht deinerseits aggressiv. Bleibe ganz bei dir, und möglichst unsichtbar, reaktionslos. Du wirst ihn nicht ändern. Denn ihm fehlt Einsicht. Die Einsicht, sich freiwillig zu verändern. Du kannst nur gehen, oder akzeptieren, wie er ist.

Freundlich strahlender Mann mittleren Alters, aus dessen Rücken plötzlich ein aggressiver schattenboxender Mann hervor tritt

Freundliche, passive Fassade, doch im Innern aggressiv: Passive Aggression in Reinkultur

Zu gehen ist in den meisten Fällen der bessere Weg. Wenn dir dies jedoch aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, dann solltest du tatsächlich unsichtbar für ihn werden. Du wirst sehen, dass ist ebenfalls eine Form der Macht. Vielleicht die einzige Macht, die dir bleibt.

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Hier bloggt für euch Almut Bacmeister-Boukherbata, Psychologische Beraterin & Paarberaterin in eigener Praxis seit 2001. In Hamburg lebend und praktizierend. Bietet seit 2010 auch mobile Beratung im Hamburger Umkreis an. Für alle, die nicht aus Ihrem Einzugsgebiet kommen, bietet sie ebenfalls Telefoncoaching an. Ihre Arbeitsweise ist kreativ und intuitiv, Klientenbezogen. Bekannt unter dem Begriff: "Individuelle Wegbegleitung". Sie schreibt Bücher und betätigt sich künstlerisch.