Gefühle – Auf sich selbst zurück geworfen
Wohin mit meinen Gefühlen?
Unser Leben in Zeiten von Corona wird nicht einfacher. Im Gegenteil: Die Einschränkungen zerren an unseren Nerven, und in vielen Situationen schieben sich unsere Gefühle in den Vordergrund.
Fakt ist, dass wir noch nie so viel Zeit für uns hatten. Schließlich sind viele unserer Ablenkungsmöglichkeiten eingeschränkt.
Wir gewinnen allerdings nicht nur dadurch Zeit, sondern vielfach auch durch fortfallende Fahrtwege aufgrund von Homeoffice, Kurzarbeit, oder andere bzw. eingeschränkte Arbeitszeiten.
Verbringen wir mehr Zeit mit uns selbst, werden wir achtsamer und spüren uns deutlicher. Das kann auch heißen, dass wir unsere Gefühle deutlicher wahrnehmen und intensiver empfinden.
Viele von uns sind es jedoch nicht gewöhnt, einer derartigen Intensität der Gefühle ausgesetzt zu sein. Sie lenken sich im Alltag ab, unternehmen viel und versuchen nur eins: Nichts zu spüren.
Coronas emotionale Folgen
Nur, Corona verändert Vieles. Ablenkungen sind nur noch in geringerem Umfang möglich, und so kommt es, dass wir auf uns selbst zurück geworfen werden.
Plötzlich spüren wir uns und werden mit Gefühlen konfrontiert, die uns fordern. Wir bekommen Ängste, wissen nicht, wie es weitergehen soll.
Sorgen überrennen uns, wenn wir auf Corona und das Ansteckungsrisiko schauen. Und plötzlich ist auch Wut spürbar. Darauf, dass wir diese Pandemie erleben müssen, dass dieses Virus uns so einschränkt und unser Leben verändert.
Wir ärgern uns über die Einschränkungen durch die Regierung, über den kommenden Wirtschaftseinbruch, und darüber, in unserer Freiheit so eingeengt zu sein.
Wir sind verzweifelt über die Kontaktverbote und über die neue Maskenpflicht und fühlen uns allein gelassen.
Über allem aber schwebt die Angst, selbst krank zu werden, oder Menschen zu verlieren, die uns nahe stehen.
Heftige Gefühle
Es können heftige Gefühle sein, die uns in dieser Zeit übermannen. Gefühle, die nur schwierig zu ertragen sind, weil wir sie so nicht kennen.
Gefühle, die sich jetzt Bahn brechen, weil wir ihnen relativ hilflos ausgeliefert sind. Gefühle, die wir so nicht haben wollen. Einfach, weil wir sie als negativ, schmerzend und destruktiv erleben. Wohin also mit diesen Gefühlen?
Schritt 1
Annehmen und JA auch zu diesen Gefühlen sagen. Sie genauso ernst und wichtig nehmen, wie erwünschte Gefühle.
Schritt 2
Dankbar dafür sein, diese ganze Bandbreite an Gefühlen erleben zu dürfen.
Schritt 3
Den Gefühlen wohlwollend begegnen. Sie wie einen guten Freund in den Arm nehmen,
Schritt 4
Einen Gesprächspartner suchen, mit dem Gespräche über diese überbordenden Gefühle möglich sind. Das geht bei einem einfühlsamen Gegenüber auch gut telefonisch.
Schritt 5
Überlegen, ob eine Änderung in der eigenen Macht liegt, und wenn ja, handeln. Passivität lähmt.
Schritt 6
Sich klar machen, dass auch die unangenehmen Gefühle zum Leben gehören. Vielfalt macht lebendig.
Es ist also wichtig, die eigenen Gefühle anzunehmen und sie wertzuschätzen. Nimm‘ sie als das, was sie sind: Ein Teil von dir, der genauso seine Existenzberechtigung hat, wie Freude oder Verliebtheit.
Fange an, die Vielfalt deiner Gefühle wahrzunehmen und sie Willkommen zu heißen. Es ist ein Teil deiner Persönlichkeitsentwicklung.
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