Eigene Wichtigkeit contra Egoismus

Sich selbst wichtig zu nehmen ist kein Egoismus

Leider haben die meisten von uns nicht gelernt, sich selbst wichtig zu sein. Statt Selbstwert zu lernen, wurde uns als Kind beigebracht, auf andere zu achten, und sich selbst weniger wichtig zu nehmen. Ganze Generationen von Eltern waren besorgt, dass ihr Kind / Ihre Kinder egoistisch werden könnten, wenn ihnen nicht bereits in ihrer frühesten Kindheit ‚Zucht und Ordnung‘ wie es damals hieß, beigebracht würde. Das Resultat dieser Erziehung war, dass ganze Generationen von Menschen

Ich bin wie ich bin: einfach ICH

Ich bin wie ich bin: einfach ICH

als junge Erwachsene ins Leben und in die Gesellschaft entlassen wurden, die nicht gelernt hatten, sich selbst wertzuschätzen.

Wie aber kann ein Mensch, der nicht gelernt hat, sich selbst wichtig zu nehmen, andere Menschen ernst und wichtig nehmen? Wie, andere Menschen lieben, wenn er nicht gelernt hat, sich selbst zu lieben?

Eigenliebe war sehr lange Zeit regelrecht verpönt. Man wusste nicht, dass ein gutes Stück Eigenliebe benötigt wird, um sich selbst einen Wert beizumessen. Man wusste einfach nicht, wie unentbehrlich es ist, sich selbst wichtig zu nehmen.

Erst, als sich immer mehr Menschen mit Depression oder anderen psychischen Belastungen und mit mangelndem Selbstbewusstsein, schlechtem Selbstwertgefühl in Behandlung bei einem Psychotherapeuten begeben mussten, wurde deutlich, dass diese Erziehungsmethoden bleibende Schäden bei den Menschen angerichtet hatten.

Viele Therapeuten waren fortan damit beschäftigt, ihren Klienten u.a. mühsam das Thema Selbstwert nahe zu bringen. Sie arbeiteten daran, den Menschen aufzuzeigen, wie unverzichtbar es ist, sich selbst wichtiger zu nehmen, um ihnen einen Zugang zu vermitteln, sich selbst vor krankmachenden Einflüssen schützen zu können. Das ist dringend erforderlich, denn nur, wer sich selbst Wert geben kann, und seine eigene Wichtigkeit anerkennt, der kann sich u.a. auch abgrenzen. Abgrenzung ist aber häufig nötig, um sich selbst zu schützen.

In meinen Beratungen äußere ich oft, dass: „Ein Mensch ein Recht auf seine eigene Wichtigkeit“ hat. Trotz allem birgt das „sich selbst wichtig nehmen“, die eigene Wichtigkeit, die Gefahr, dass man diese gegen andere Menschen lebt. Die eigene Wichtigkeit stößt nämlich dort an Grenzen, wo sie die eigene Wichtigkeit anderer Persönlichkeiten berührt, oder sogar einschränkt.

Menschen, die glauben, es würde fortan in ihrem Leben nur noch um sie selbst drehen, haben das Thema der Wichtigkeit gründlich missverstanden, und sind dann eben doch egoistisch. Denn gerade, weil ja jeder Mensch das Recht auf seine eigene Wichtigkeit hat, würden wir zu einem Volk der Egoisten mutieren, wenn wir nicht berücksichtigen würden, dass auch unsere Mitmenschen wichtig sind. Wie überall im Leben gilt es, auch bei der eigenen Wichtigkeit eine Gratwanderung zu machen, um nicht in puren Egoismus zu kippen.

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Psychologische Beraterin & Paarberaterin in eigener Praxis seit 2001. In Hamburg lebend und praktizierend. Bietet seit 2010 auch mobile Beratung im Hamburger Umkreis an. Für alle, die nicht aus Ihrem Einzugsgebiet kommen, bietet sie ebenfalls Telefoncoaching an. Ihre Arbeitsweise ist kreativ und intuitiv, Klientenbezogen. Bekannt unter dem Begriff: "Individuelle Wegbegleitung". Sie schreibt Bücher und betätigt sich künstlerisch.

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