Wenn unsere Psyche uns Streiche spielt

… ist das häufig schwer zu durchschauen  >>>

Frau unscharf hinter Scheibe voller Wassertropfen

Sich selbst nicht deutlich erkennen

Ich kenne eine ganze Menge Menschen, die mit sich selbst ein Problem haben. Sie leiden aufgrund ihrer eigenen Interpretation der Dinge, die rundherum geschehen. Diese Interpretation ist häufig negativ und gegen sich selbst gerichtet.

Ihre Psyche lässt sie Dinge auf eine bestimmte Art und Weise erleben, die geprägt ist, von alten Erfahrungen und daraus resultierenden Erwartungshaltungen. Das Muster ist dann: Weil es immer so war, muss es wieder so sein…

Da dieses Muster jedoch unbewusst ist, wird diesen Menschen nicht deutlich, dass sie eben nicht die Realität erleben, sondern das, was ihre Psyche sie als ihre eigene Realität erleben lässt.

Der Filter verfärbt die Realität

Diese Menschen verstehen Aussagen, oder Verhaltensweisen anderer Menschen auf eine ganz bestimmte Art und Weise, nämlich eine Weise, die in ihr persönliches Weltbild passt. Wenn ein Mensch beispielsweise unbewusst davon ausgeht, dass man ihn kritisieren will, wenn man ihm etwas sagt, dann hört dieser Mensch das Gesagte unter der Prämisse: Ich werde kritisiert. Während andere Menschen das Gesagte sachlich aufnehmen, wird dieser Mensch wütend, ist er doch überzeugt, dass das Gesagte sich gegen ihn gerichtet hat.

Unbewusst unterstellen sie ihrem Gegenüber, dass es sich negativ geäußert hat. Ich nenne das Filter. Es ist der Filter, der ähnlich einer Sonnenbrille, die Realität so einfärbt, dass sie verändert wirkt. Das Fatale nun ist, dass diese Person sauer wird, und sich verletzt fühlt. Oft genug schlägt sie vermeintlich zurück, obwohl gar kein Angriff statt gefunden hat.

Frau vor Spiegel, die nur im Spiegel die Hände über dem Kopf zusammenschlägt

Eine psychische Reaktion, die auf Vorerfahrungen basiert

Angriff, statt zurückschlagen

Natürlich kann es jedem Menschen mal so gehen, dass er sich angegriffen fühlt. Vielleicht hat er etwas falsch verstanden, und in den falschen Hals bekommen. So etwas gehört zum Menschsein dazu. Im Normalfall reicht allerdings eine einfache Erklärung aus, um die Situation zu klären. Es ist also ähnlich, wie bei den oben genannten Menschen.

Mit dem Unterschied, dass diesen Menschen nicht bewusst ist, dass sie das Erlebte nicht real sehen, sondern deutlich eingefärbt. Das liegt unter anderem daran, dass sie nicht durchschauen, dass vieles, was sie für Realität halten, eigentlich etwas ist, dass durch die Verfärbung eine andere, nämlich verfälschte Wirkung bei ihnen erzielt.  Hierbei spielt ihnen ihre eigene Psyche einen Streich.

Ein Beispiel

Damit du besser verstehen kannst, was ich meine, kommt im Folgenden ein Beispiel. Du kannst für mehr Beispiele auch einen früheren Blogbeitrag von mir lesen, den ich dir hier verlinke.

Es wird folgender Satz ausgesprochen: „Ich hätte dir gewünscht, dass du die Gelegenheit gehabt hättest, all‘ deine Talente zu leben.“ – Ein Satz, der den Wunsch des Anderen aufzeigt, dass ich die Chance hätte haben sollen, alle meine vorhandenen Talente gleichermaßen ausprägen und entwickeln zu können. Ein Satz, der nett ist, und zeigt, dass mein Gegenüber mich ernst nimmt, und sieht, dass ich über eine ganze Menge Talente verfüge. Es ist eine Wertschätzung.

Die negative Interpretation

Wenn alte Erfahrungen & Prägungen mich beeinflussen

Wenn ich den gleichen Satz allerdings durch einen Filter sehe, könnte er bei mir völlig anders ankommen. Er könnte mich ärgern, weil ich vielleicht höre, ich hätte nicht genügend aus meinen Talenten gemacht (bin wieder einmal nicht gut genug).

Ich könnte denken, wie arrogant mein Gegenüber doch sein muss, um sich anzumaßen, mich auf diese Art darauf hinzuweisen. Mein Gegenüber weiß doch, warum ich keine Möglichkeit hatte, meine andere Talente selbst zu fördern. Wieso sagt er dann so etwas. Wie rücksichtslos von ihm. Überhaupt, was denkt er sich, sich so etwas für mich zu wünschen. Hat der keine eigenen Talente, um die er sich kümmern kann. Es macht mich wütend, dass er mich so von oben herab anspricht…

So und so ähnlich, und so weiter könnte eine negative Interpretation, der vermutlich harmlos und nett gemeinten Worte sein. Wenn ich nun den Sender dieser Worte fragen würde, wie seine Worte gemeint waren, so würde dieser möglicherweise sagen: „Ich wollte nur etwas Nettes zu dir sagen. Finde es so schade, dass du nicht all deine Talente gleichermaßen nutzen konntest. Du bist so talentiert. Aber das Leben hindert uns manchmal daran, nach unseren Möglichkeiten zu leben. Du aber hättest es verdient.“

Natürlich sind das nur Mutmaßungen, und es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, diese Worte gerade auch negativ zu interpretieren. Wichtig ist an dieser Stelle nur eins: Unsere Psyche kann uns betrügen, uns einen Streich spielen. Sie kann dafür sorgen, dass wir felsenfest davon überzeugt sind, dass wir die Worte unseres Gegenübers richtig verstanden haben. Dass sie einfach negativ gemeint waren, und uns die Person, die sie aussprach etwas „beipuhlen“ wollte.

frau hält sich verzweifelt die Ohren zu, weil etwas undefinierbares aufihn einströmt

Unbestimmbare Einflüsse wirken auf die Seele

Nur, warum sollten wir vom Negativen ausgehen? Vielleicht, weil es uns an Selbstbewusstsein mangelt, Wir das, was wir in die Worte hinein interpretieren selbst glauben? Weil eigentlich wir selbst uns herab würdigen, weil wir diese, unsere eigene Interpretation überhaupt zulassen. Was wäre, wenn wir uns täuschen würden? Die Worte anerkennend sein sollte, und wir dem Menschen Unrecht tun? Was, wenn wir ihm glauben würden, dass seine Worte einen freundlichen Hintergrund hätten?

Die Krux ist, dass unsere Seele uns einen Streich spielt, der so perfekt auf uns wirkt, dass wir glauben, richtig zu liegen. Wir machen in einer Art selffulfilling prophecy uns selbst schlecht, weil wir genau DAS erwarten. Wir haben darüber hinaus einen Schuldigen, der für unsere eigenen negativen Gedanken über uns selbst herhalten muss, den wir beschimpfen können. Über den wir uns ärgern können.

Statt bei uns selbst zu schauen, und uns selbst zu reflektieren, schlagen wir lieber auf unsere Umwelt ein. Dabei sind wir es selbst, die uns herab würdigen. Es sind unsere eigenen Gedanken, die uns schlecht machen.

Wir sollten schauen, woher diese negative Grundeinstellung kommt, wieso wir dazu neigen, negative Interpretationen zu machen, und warum wir die Schuld und Verantwortung für unsere negativen Gefühle gern auf andere verschieben. Notfalls mithilfe eines guten Coachs.

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Almut Bacmeister-Boukherbata
Psychologische Beraterin & Paarberaterin in eigener Praxis seit 2001. In Hamburg lebend und praktizierend. Bietet seit 2010 auch mobile Beratung im Hamburger Umkreis an. Für alle, die nicht aus Ihrem Einzugsgebiet kommen, bietet sie ebenfalls Telefoncoaching an. Ihre Arbeitsweise ist kreativ und intuitiv, Klientenbezogen. Bekannt unter dem Begriff: "Individuelle Wegbegleitung". Sie schreibt Bücher und betätigt sich künstlerisch.
Almut Bacmeister-Boukherbata

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