Der Spaß am Gruseln…

Was fasziniert uns eigentlich so am Gruseln?

Gruseln macht in Grenzen Freude

Gruseln macht in Grenzen Freude

Fakt scheint erst einmal zu sein, dass wir seit Jahren immer begeisteter Halloween feiern. Was noch vor wenigen Jahren eher ein Spaß für Kinder war, um beim Klingelstreich ordentlich Süsses zu kassieren, um nicht Saures austeilen zu müssen, das scheint auch immer mehr Anhänger bei den Erwachsenen zu finden.

Diese ziehen natürlich nicht los, um Klingelstreiche zu machen, sondern lassen es auf Feiern ordentlich krachen. Feste soll man schließlich feiern, wie sie fallen.

Halloween ist auch aus unseren Medien nicht mehr weg zu denken. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als Halloween bei uns hauptsächlich ein Fest in den USA war. Als meine Kinder noch klein waren, da gab es auch für Kinder noch kein Halloween hier in unserem Land. Damals fing es erst so allmählich an, wurde Halloween ganz zaghaft von uns aufgegriffen.

Aber alles, was Spaß macht, und Konsum verspricht, wird auf jeden Fall gern von den Medien aufgenommen. Denn sie sind es, die ein solches Fest puschen können. Einen ähnlichen Hype gibt es ja auch um den Valentinstag, der ebenfalls vor wenigen Jahrzehnten kaum eine Bedeutung bei uns hatte.

Warum nun aber fasziniert uns die Möglichkeit so, uns gruseln zu können?

Sich zu gruseln ist ein Gefühl, welches durchaus gesellschaftlich anerkannt ist. Man muss sich nicht dafür schämen, sondern darf ganz offen Gefühle von Ekel und Angst zeigen. Diese sind ja sogar unter Umständen erwünscht. Bei welchen Gefühlen sonst, reagiert unsere Gesellschaft ähnlich tolerant? Grusel ist öffentlich, während Trauer oder Freude, Verzweiflung oder Wut eher privat sind. Private Gefühle gehören eben nicht in die Öffentlichkeit. Denn dann müsste man ja darauf eingehen, wenn jemand beispielsweise seine Trauer ganz deutlich zeigen würde. In unserer Gesellschaft sind „private“ Gefühle aber immer noch nicht gern gesehen. Psychologen fordern zwar, seine Gefühle zu spüren, aber sie dann auch öffentlich zu zeigen ist immer noch etwas anderes.

Hier haben wir also in gewisser Weise etwas mit einem Stellvertreter-Gefühl zu tun. In Grusel, Angst, Schrecken dürfen wir alle unsere Gefühle hinein legen, und diese dann hinaus schreien. Niemand wird sich genötigt fühlen, auf solche Gefühlsregungen einzugehen. Es ist doch so schaurig-schön, sich kontrolliert zu ängstigen…

Da legen Restaurants ganz offen Riesen(stoff)spinnen am Eingang aus, um Halloweenwillige anzulocken, oder es werden Werbebotschaften verschickt, bei denen plötzlich eine Spinne über die Mail läuft. Alles dient nur einem Zweck: Mitmachen, hipp sein, und den Konsumenten einen kleinen, aber angenehmen Schauer vermitteln.

Dabei ist es wichtig, dass wir wissen, dass hinter all den Gruselmasken, Gruselfacetten niemals etwas Ernstes steckt. Denn bei echter Angst und Schrecken hört jeder Nervenkitzel auf. Da hört dann auch jeder Scherz auf. Halloween dient also dem Spaß und der Freude! Wenn wir uns nun gruseln, mit Ängstlichkeit reagieren, oder uns erschrecken, dann dient dies vor allen Dingen einem: Wir spüren uns!

Wann können wir das schon von uns sagen? Meist funktionieren wir im Alltag, und haben gelernt, unsere wahren Gefühle beiseite zu schieben. An Halloween aber werden Konventionen gebrochen. Erklärtes Ziel ist es, Menschen zu erschrecken und zu mehr Konsum zu animieren. Auch Erwachsene feiern immer öfter gruselig maskiert Halloween. Auf die seit einigen Wochen auch in Deutschland ihr Unwesen treibenden Horror-Clowns will ich hier gar nicht eingehen, da diese pietätlos sind.

Da haben wir ein weiteres Argument, was uns am Gruseln so fasziniert. Wir durchbrechen das ein oder andere Mal Regeln. Regeln des guten Geschmacks, eines Verhaltenkodex oder ähnlichem. Das wird gesellschaftlich hingenommen, ähnlich wie beim Oktoberfest oder Karneval. Wir dürfen ausflippen, uns daneben benehmen und Dinge tun, die man eigentlich nicht macht. Leute erschrecken zum Beispiel. (Wobei wir natürlich darauf achten müssen, wen wir erschrecken, denn wir tragen auch Verantwortung für unser Handeln, und dürfen niemanden einen Schreck einjagen, der evtl. einen Herzinfarkt riskieren könnte.) Und mehr noch: Die Leute lieben diese Form von Grusel, da es ihnen diesen ekelhaft schönen Schauder einjagt, der zeigt: Ich lebe!

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Almut Bacmeister-Boukherbata
Psychologische Beraterin & Paarberaterin in eigener Praxis seit 2001. In Hamburg lebend und praktizierend. Bietet seit 2010 auch mobile Beratung im Hamburger Umkreis an. Für alle, die nicht aus Ihrem Einzugsgebiet kommen, bietet sie ebenfalls Telefoncoaching an. Ihre Arbeitsweise ist kreativ und intuitiv, Klientenbezogen. Bekannt unter dem Begriff: "Individuelle Wegbegleitung". Sie schreibt Bücher und betätigt sich künstlerisch.
Almut Bacmeister-Boukherbata

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