Eine neue Liebe … und ihre Startschwierigkeiten

Warum zweifeln gerade Männer so früh in Beziehungen an ihren Gefühlen?

Zweifel an einer Beziehung können M(m)an(n) ganz schön zusetzen.

Zweifel an einer Beziehung können M(m)an(n) ganz schön zusetzen.

Frauen können leicht verzweifeln. Warum? Einfach, weil Männer häufig in eine neue Beziehung mit 150% starten, und als Untertaucher enden. Aber woran liegt das? Was lässt Männer erst in die Vollen gehen, und dann doch relativ schnell einen Rückzieher machen?

Das ist keine ganz einfache Frage. Männer verlieben sich relativ leicht. Sie sehen eine Frau, die ihnen optisch gefällt, und schon springen die Hormone an. Das innere Drängen, diese Frau haben zu wollen, bringt in ihnen den Jäger zum Vorschein, der Jahrtausende der Evolution überdauert hat. Sie müssen dieses „Wild“ erlegen, koste es, was es wolle.

Je schwieriger es ist, das „Wild“ zu fangen, desto mehr investieren sie. Sie machen jeden Schachzug, der dazu dienen könnte, zum Ziel zu kommen, und der Dame Schach zu bieten.

Gerade Frauen, die nicht so leicht zu haben sind, bieten der Jagdlaune des Mannes das, was ihm viel Spannung verspricht. Vielleicht imponiert diese Frau ihm. Er ist beeindruckt von ihrer Unabhängigkeit und Souveränität. Sie ist halt nicht leicht zu haben.

Je länger die Jagd dauert, desto mehr Gefühle investiert der Mann. An Frauen, die ihn nicht wirklich interessieren, verliert er schnell das Interesse, wenn die Jagd zu aufwendig ist. Dann wendet er sich lieber Frauen zu, die einfacher „zu erlegen“ sind.

Dauert eine Jagd aber an, weil die Frau nicht so nachgiebig ist, und der Mann ernsthaftes Interesse an ihr hat, dann hilft ihm dieser Umstand, mehr Gefühle zu investieren. Denn anders bekommt er diese tolle Frau ja nicht herum. Er stürzt sich also in ein Liebesabenteuer, und ist davon überzeugt, dass sie die Richtige ist.

Diese Gefühle zeigt er der begehrten Frau schnell, denn er möchte ja zum Ziel kommen. Er ist so unendlich begeistert von ihr. Sie imponiert ihm besonders dadurch, dass sie ihr eigenes Leben lebt, und eben nicht so schnell seinem Jagdtrieb erliegt. DAS ist eine Frau genau nach seinem Geschmack. Ihr kann er ohne Sorge seine Gefühle für sie zeigen.

Dann passiert es. Die Begehrte, eine ganz normale, durchschnittliche Frau, wird aufmerksam. Fühlt sich nicht nur von seinen Komplimenten geschmeichelt, sondern fängt an zu glauben, dass sie IHM wirklich wichtig ist. Sie ist hin und weg, denn solch einen Partner hat sie sich schon immer gewünscht. Einen Partner, der Lust hat, mit ihr viel Zeit zu verbringen. Einen, der andauernd Nachrichten sendet, und auch mal zwischendurch anruft. Einen Partner, dem man so richtig anmerkt, wie verliebt er ist.

Dies ist spätestens der Augenblick, indem sie sich ebenfalls einlässt: ER will MICH. ICH bin für ihn die Eine, die Auserwählte. Er ist aber auch zu süß. Mein Gott, ist er verliebt. Jede freie Minute will er mit mir verbringen, oder wenigstens telefonieren. ER ist ganz anders, als andere Männer. Er zeigt seine Gefühle. Nun bin auch ich hin und weg!

Es bahnt sich eine Katastrophe an.

In dem Moment, indem sie sich einlässt, verliert sie ihre Souveränität. Sie ist so wahnsinnig verliebt. Auch sie mag keine Minute mehr ohne ihn verbringen. Also wartet sie am Telefon auf seinen Anruf. Denn wenn sie nicht dran geht, könnte es sein, dass er sich etwas anderes vornimmt. Also wartet sie, und schreibt ihm in der Zwischenzeit eine verliebte Whatsapp Nachricht.

Er aber antwortet nicht. Nun sind es schon 5 Minuten, die ohne Antwort verstrichen sind. Eine Ewigkeit. Was ist?, warum antwortet er nicht umgehend, wie sonst auch? 10 Minuten. Kaum auszuhalten. Sonst nimmt er sich immer die Zeit, schnell zu reagieren. Es verstreichen weitere 15, 20, 25 Minuten. Sie starrt ihr Handy an. Bitte ihre Freundin, ihr eine Whatsapp zu senden, um zu testen, ob das Handy funktioniert. Sie schaltet das Handy einmal komplett aus, und dann wieder ein, nur um auf Nummer sicher zu sein. Aber auch in dieser Zeit geht keine Nachricht von ihm ein. Die Zeit dehnt sich…

Eine Stunde ist vergangen, nachdem sie ihm diese wahnsinnig liebe Nachricht gesendet hat, und immer noch keine Reaktion von ihm. Sie beschließt, ihm nochmals zu schreiben: „Schatz, warum antwortest du denn nicht. Alles in Ordnung?“

Wieder keine Reaktion. Das kann doch nicht sein. Was ist bloß mit ihm. Will er mich nicht mehr? Hat er eine andere? Hilfe, warum antwortet er denn nicht? Ihr geht es mittlerweile total schlecht. Sie ist nicht mehr fähig, etwas anderes zu tun. Sie lauert. Lauert auf eine Nachricht, einen Anruf, oder sonst ein Lebenszeichen.

Mittlerweile sind 3 Stunden vergangen. Sie hat weitere 3 Nachrichten gesendet, und keinerlei Antwort bekommen. Nun ist sie völlig verunsichert. Kommt er denn heute Abend überhaupt? Wo er sich doch nicht meldet? Muss sie davon ausgehen, dass etwas passiert ist? Was soll sie nur tun? Ihre Geduld ist bereits seit 3 Stunden vorbei.

Plötzlich steht er vor der Tür. Statt einfach nur erleichtert zu sein, macht sie ihm Vorwürfe. Warum er nicht geantwortet hätte, oder wenigstens kurz angerufen? Ihr sei es total schlecht gegangen, sie habe sich Sorgen gemacht. Das alles sei seine Schuld. So wolle sie das nicht. … Seine Aussage, er habe einfach sein Handy daheim vergessen, nimmt sie kaum wahr. Zu groß war der Schmerz, so im Stich gelassen worden zu sein.

Da die Stimmung eh schlecht ist, und er sowieso heim muss, weil er am nächsten Tag sein Handy benötigt, übernachtet er nicht bei ihr. Er geht nach Hause, und liest alle Nachrichten von ihr. Die Lieben, und die zunehmend Böseren. Nun bekommt er Zweifel. Ist sie wirklich die Richtige für ihn? Anscheinend macht sie ihn zu ihrem Lebensmittelpunkt. Dabei kann und will er nicht für ihr Lebensglück zuständig sein. Die Verantwortung für ihr Glück überfordert ihn. Eigentlich hat er ja tiefe Gefühle für sie, aber will er wirklich eine Beziehung, in der seine Partnerin sich von ihm abhängig macht?

So weit eine kleine Geschichte des Kennenlernens. Aber was ist tatsächlich passiert? Zwei Menschen trafen aufeinander, die deswegen voneinander begeistert waren, weil der jeweils andere sich nicht sehr geschlechtstypisch verhalten hat. Der Mann glaubte, eine sehr souveräne Frau vor sich zu haben, die ihr Leben alleine meistert. Das erlaubte ihm, ihr seine Gefühle zu zeigen.

Die Frau wiederum glaubte, endlich einen Mann gefunden zu haben, der zu seinen Gefühlen stehen kann, und diese leben. Ihre Begeisterung galt dem Mann, der in ihr etwas zu erkennen glaubte, was ihn innerlich befreite. Seine Gefühle galten einer unabhängigen Frau, für deren Lebensglück er nicht zuständig sein würde. Sie aber sah in ihm einen Mann, der Gefühle zeigen kann, und dazu steht.

So glaubten beide voneinander, der andere wäre etwas anderes, als er tatsächlich war. Verliebtheit lässt Menschen ganz häufig den Partner in einem Bild erscheinen, welches den eigenen Wunschträumen entspricht. Die Realität sieht oft anders aus. Frauen leben Verliebtheit nun mal anders, als Männer. Sie binden sich durch scheinbare seelische Abhängigkeit. Etwas, was Männer abschreckt.

Es ist dieses Verhalten von Frauen, welches Männer zweifeln lässt: Ist sie die Richtige für mich? Kann ich ihr Lebensglück sein? Wenn die Antwort negativ ausfällt, dann fängt der Mann an, unterzutauchen. Erfindet Ausflüchte, wie: „Du hast einen besseren als mich verdient.“, oder: „Ich glaube, ich bin nicht beziehungsfähig.“, und lässt zutiefst verletzte Frauen zurück, die sich trotz allem Hoffnung machen, dass die Beziehung wieder besser wird. Ein bitteres Ende.

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Almut Bacmeister-Boukherbata
Psychologische Beraterin & Paarberaterin in eigener Praxis seit 2001. In Hamburg lebend und praktizierend. Bietet seit 2010 auch mobile Beratung im Hamburger Umkreis an. Für alle, die nicht aus Ihrem Einzugsgebiet kommen, bietet sie Telefonberatung an. Ihre Arbeitsweise ist kreativ und intuitiv, Klientenbezogen. Bekannt unter dem Begriff: "Individuelle Wegbegleitung". Sie schreibt Bücher und betätigt sich künstlerisch.
Almut Bacmeister-Boukherbata

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