Mütter tragen zu wenig zum Familieneinkommen bei… Kritische Gedanken

…oder kann man das Ganze nicht auch völlig anders sehen?

Eine Mama ist für Kinder unersetzbar.

Eine Mama ist für Kinder unersetzbar.

Der neueste OECD-Bericht bringt es ans Tageslicht: Frauen tragen in Deutschland nur wenig, ca. 22%, zum Familieneinkommen bei. Dabei werden verschiedene Dinge erläutert, die ihr vielleicht am Besten bei spiegel.de nachlesen könnt: goo.gl/PHxAqL

Da in den Medien aber immer nur kurz darüber berichtet wurde, war dies die Kernaussage. Eine Aussage, die mich ärgert. Klingt es doch so, als würden die Mütter indirekt aufgefordert werden, mehr zum Familieneinkommen beizutragen.

Da wird über eine bessere familiäre „Grundversorgung“ diskutiert, wie zum Beispiel verbesserte Kindertagesstätten-Zeiten, oder die Unterstützung zur Vereinbarkeit von Kind/ern und Berufstätigkeit usw.

In welcher Welt leben wir eigentlich? Klar, für Frauen, die sich ihre Unabhängigkeit durch Berufstätigkeit erhalten wollen, sind das alles sinnvolle Ansätze. Auch die benötigen wir, um uns als Gesellschaft weiter zu entwickeln.

Aber was ist mit den Müttern, die für ihre Kinder da sein wollen? Wird ihnen nicht auf diese Art ein schlechtes Gewissen eingeredet? Ihnen indirekt eingetrichtert: „Frauen, ihr seid nur etwas wert, wenn ihr zum Familienkommen beitragt? Kommt, und leistet EUREN Beitrag!“ Sollte es nicht eigentlich ganz andere Ansätze geben, z.B. den, das gesellschaftliche Meinungen nach und nach verändert werden? Neue Denkansätze geprägt werden? Endlich dort die Anerkennung ankommt, wo sie hingehört? Zu den Frauen, die in Bezug auf Familie und Heim viel leisten, ebenso viel, wie ihre Männer im Berufsleben?

Mütter tragen sehr wohl zum Familieneinkommen bei, INDEM sie nämlich ihren Lebenspartnern und Ehemännern den Rücken frei halten, und sich um Kinder und Haushalt kümmern. Wie sonst könnte der Geldverdiener Karriere machen? Sicherlich nicht, indem ER sich um Haushalt und Kinder kümmert. Denn beides gleichermaßen geht nun mal nicht, selbst wenn man seine Kinder noch variabler in den Kindertagesstätten unterbringen könnte. Irgendwann stellt sich dann nämlich auch die Frage, wozu überhaupt Kinder bekommen, wenn man sich selbst nicht genügend kümmert.

Seien wir doch mal ehrlich: Die Frauen kommen einer Aufgabe nach, die weiß Gott nicht immer befriedigend und erholsam ist… Wie schnell wird ihnen nachgesagt, dass sie eben nicht zum Familieneinkommen beitragen? Dass das bisschen Haushalt sich doch von allein macht, und man Kinder ja auch in eine Kindertagesstätte geben könnte. Mütter haben 24 Stunden Rufbereitschaft, und das an 7 Tagen in der Woche. Ohne Zusatzentlohnung, wie es im Berufsleben üblich ist. Dennoch kümmern sie sich aufopfernd rund um die Uhr, wenn es sein muss. Da ist arbeiten gehen schon angenehmer. Bezahlt wird, was erarbeitet wird.

ABER!!! Mütter, die auch noch selbst Geld verdienen gehen, haben immer noch fast allein die Doppelt- und Dreifachbelastung. Denn alle Tätigkeiten daheim, machen sich nun mal nicht von allein. Die Kinder benötigen weit mehr, als versorgt zu sein. Sie brauchen Zuwendung und persönliche Förderung, wie sie sie nirgendwo sonst SO erhalten können. Hinzu kommt, dass Kinder dauerhaften Einsatz fordern, und am Ende es keiner den Mütter dankt, dass sie sich für Ehemann und Kinder aufopfern. Am Ende des Monats ist bei ihnen kein Gehalt auf dem Konto, welches eine Würdigung und Anerkennung ihrer Arbeitsleistung wäre.

Hausfrau und Mutter sein bedeutet Verzicht! Verzicht auf Anerkennung, auf Unabhängigkeit, auf den eigenen freien Willen, den ein Gehalt zu Monatsende sehr wohl beeinflussen könnte. Denn so, ist Frau abhängig von der Gunst ihres Lebenspartners, und in den meisten Fällen von seinem finanziellen Goodwill abhängig.

Ich denke, wir Frauen haben durch die Emanzipationsbewegung sehr wohl gezeigt, dass wir gleichwertig und infolgedessen gleichberechtigt sein müssen. Dass macht uns, Männer und Frauen aber noch lange nicht gleich. Frauen pflegen einen völlig anderen Umgang mit Kindern, der bestimmt durch Gefühle und Nähe ist. Sie haben einen anderen Blick für das Notwendige und sorgen durch ihre Art auch zuhause dafür, dass Mann sich wohlfühlt.

Frauen tragen durch ihre Art dazu bei, dass der Verdienst des Familieneinkommens überhaupt erst möglich wird. Es heißt ja nicht umsonst Familieneinkommen, sondern deshalb, weil beide Partner dazu beitragen, und beide davon profitieren.

Noch ein Beispiel zum Schluss:

Als ich vor ca. 30 Jahren in Vollzeit arbeiten ging, und allein für das Familieneinkommen sorgte, und mein Mann Hausmann war, und sich um die Kinder kümmerte, da wurde immer wieder er anerkennend gelobt. Wow, als Mann Hausmann sein…, aber keiner erkannte mich in meiner Leistung als Familienernährerin an. Dabei kam ich nach einem 8 Stunden-Tag + Überstunden nach Hause, und meine Kinder stürzten sich wie seelisch ausgehungert auf mich. Keine Minute der Entspannung, bis die Kleinen im Bett waren.

Und obwohl ich die ganze Zeit arbeiten ging, erzählte mir meine damals 9jährige Stieftochter im Zusammenhang mit einer Schulaufgabe: „Mütter sind doch nur Hausfrauen.“, und ich war baff erstaunt, wie es sein könne, dass selbst ein gegenteiliges Vorleben in der Realität nicht gegen diese gesellschaftliche Sichtweisen ankam.

Wir müssen immer noch viel für das Umdenken tun!

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Almut Bacmeister-Boukherbata
Psychologische Beraterin & Paarberaterin in eigener Praxis seit 2001. In Hamburg lebend und praktizierend. Bietet seit 2010 auch mobile Beratung im Hamburger Umkreis an. Für alle, die nicht aus Ihrem Einzugsgebiet kommen, bietet sie Telefonberatung an. Ihre Arbeitsweise ist kreativ und intuitiv, Klientenbezogen. Bekannt unter dem Begriff: "Individuelle Wegbegleitung". Sie schreibt Bücher und betätigt sich künstlerisch.
Almut Bacmeister-Boukherbata

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