Leben mit einem passiv-aggressivem Partner IV

Unerträglich und zerstörerisch für den Beziehungspartner

 

Wer mehrere Jahre an der Seite eines passiv-aggressiven Partners gelebt hat, der kommt irgendwann an einen Punkt, dass er nicht mehr kann. Er fühlt sich, als würde er kurz vor dem Zusammenbruch stehen, und seine Kraft ist am Ende. Hat er vorher jahrelang um seine Beziehung gekämpft, so kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem die Hoffnung geht. Die Hoffnung, der passiv-aggressive Partner würde sich irgendwann ändern, wenn man nur lange genug Geduld aufbringt, und dann würde alles gut. Eigentlich hat man alles gesagt, hunderte Male wiederholt, ohne auch nur die geringste Änderung zu erreichen.
Scheinbar unabsichtliches "Falschmachen" ist beim passiv-aggressiven Menschen an der Tagesordnung.

Scheinbar unabsichtliches „Falschmachen“ ist beim passiv-aggressiven Menschen an der Tagesordnung.

Schon lange ist die Stimmung in der Beziehung umgeschlagen, und auch der eigentlich friedliche Partner wird immer öfter aggressiv. Das hat eine Eskalationspirale zur Folge, bei der beide Beziehungspartner auch bösartig aufeinander los gehen. Zwei Menschen, die sich einmal unendlich geliebt haben. Sie leiden unter der passiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung, die die Beziehung systematisch zerstört.

Immer häufiger werden nun die unabsichtlichen absichtlichen Verhaltensweisen deutlich. ER, und meistens sind es Männer, will etwas backen, aber es misslingt ihm. Ärgerlich. Aber kein Grund für seine Partnerin, sich aufzuregen. Schließlich war er so lieb, und hat sich freiwillig bereit erklärt, ihr die Arbeit abzunehmen. Dass es ihm nun aber nicht gelungen ist, das tut ihm unsäglich leid, aber dafür kann er ja nichts. Denn er hat sich ja bemüht.

Eine Partnerin, die schon lange mit ihrem passiv-aggressiven Partner zusammen lebt, weiß allerdings, dass diese Verhaltensweisen System haben. Diese Dinge passieren immerhin regelmässig. Gerade neulich bat sie ihn, ihr 10 Eier mit zu bringen, und er kam mit 6 Eiern heim. Sein Argument: 10er Packungen habe es nicht gegeben. Da sie aber zum Backen 10 Eier benötigte, war DAS wieder mehr als ärgerlich, denn trotz besseren Wissens, brachte er nicht 2x 6 Eier mit.

„Vorwürfe machen kann sie mir ja nicht“, denkt er. „Ich habe ja Eier mitgebracht. Mein Soll erfüllt. Dass es keine 10er Packungen gab, dafür kann ich schließlich nichts.“ Zurück bleibt aber dennoch eine völlig genervte Partnerin. Sie muss das Problem lösen, dass durch seinen Pragmatismus erst entstanden ist. Im schlechtesten Fall muss sie nun selbst noch mal los, um Eier nach zu kaufen, und hat keinerlei Vorteile von seiner Hilfe.

Er aber kann überhaupt nicht verstehen, wieso sie schon wieder so gereizt ist. Er hat ihr DOCH Eier mitgebracht. Was will sie eigentlich? „Nie kann man dir etwas recht machen. Immer bemühe ich mich, und trotzdem hast du immer wieder etwas zu meckern.“ DAS wiederum macht sie tatsächlich noch gereizter. Erst macht er Mist, und dann tut er auch noch so, als wäre sie das Problem. So leidet sie doppelt unter der Situation.

Das Problem scheint zu sein, dass der passiv-aggressive Beziehungspartner oft mangelnde Einsicht in sein Tun hat, und dann, wenn man versucht, es ihm deutlich zu machen, oft dazu neigt, sich angegriffen zu fühlen.  Nun muss er die „Schuld“ von sich weisen. Mit der passiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung geht nämlich oft einher, dass gerade diese Menschen es nicht ertragen können, als Ursache, bzw. als Schuldiger, wie er es empfindet, da zu stehen. So kommt es nicht selten im Laufe der Zeit zu immer schlimmer werdenden Machtkämpfen. Diese drehen sich nicht selten darum, wer nun eigentlich die Ursache der Beziehungsprobleme ist. Von Liebe ist dabei schon lange nichts mehr zu spüren, selbst, wenn sie zwischendurch noch mal durchblitzt.

Passiv-aggressive Persönlichkeiten sind, wie sie sind, weil sie an mangelndem Selbstwert leiden. DAS ist nur ein Tropfen, auf ihrem ewig heißen Stein des Selbstwertmangels. Denn eins weisen sie weit von sich: der Grund zu sein, für all die Beziehungsprobleme.

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Almut Bacmeister-Boukherbata
Psychologische Beraterin & Paarberaterin in eigener Praxis seit 2001. In Hamburg lebend und praktizierend. Bietet seit 2010 auch mobile Beratung im Hamburger Umkreis an. Für alle, die nicht aus Ihrem Einzugsgebiet kommen, bietet sie ebenfalls Telefoncoaching an. Ihre Arbeitsweise ist kreativ und intuitiv, Klientenbezogen. Bekannt unter dem Begriff: "Individuelle Wegbegleitung". Sie schreibt Bücher und betätigt sich künstlerisch.
Almut Bacmeister-Boukherbata

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