Kinder leiden leise

Trennung oder Scheidung hinterlässt u.U. mehr Opfer als Mutter und Vater…

Meist ist es der Vater, der die Familie verlässt. Auch dann, wenn die Frau sich trennen möchte.

Meist ist es der Vater, der die Familie verlässt. Auch dann, wenn die Frau sich trennen möchte.

Wenn zwei sich trennen, oder scheiden lassen, die zusammen Kinder haben, dann tut das allen Beteiligten weh. Eine Trennung ist zunächst einmal für das Paar schlimm, welches viele Jahre miteinander verbracht hat. Nach großer Liebe am Anfang kam irgendwann der Alltag dazu, der dem Paar so zugesetzt hat, dass es eine Trennung für den besten Weg hielt. Scheiden tut weh, jedem, der dies erleben muss.

Klar auch, dass Eltern besonders leiden, denn mindestens einer von beiden lebt zukünftig nur noch zeitweilig mit seinen Kindern zusammen. Ich bin kein Verfechter davon, Kinder zeitlich „zu teilen“, und sie so zwischen Mama und Papa regelmäßig hin und her zu schieben. Kinder brauchen ein Zentrum, ein Zuhause, einen Platz, wo sie „ihre Mitte“ erleben können.

Dass auch die Kinder leiden, liegt auf der Hand, und den meisten Eltern ist dies auch bewusst. Dass sie aber evtl. viel mehr leiden, als den sich Scheidenden bewusst ist, liegt daran, dass Kinder meist still leiden.

Kinder fühlen sich machtlos, und wissen schon recht früh, dass sie die Entscheidung der Eltern nicht beeinflussen können. Oft leiden sie auch, weil sie sich schuldig fühlen. Wie und warum, hängt vom Alter der Kinder ab. Ältere Kinder denken evtl., dass sie sich vielleicht weniger unfreundlich hätten verhalten müssen, damit Papa oder Mama nicht gegangen wäre. Kleinere Kinder haben bereits früh ein Schuldbewusstsein, ohne direkt zu wissen, was die Ursache dafür sein könnte, dass Papa gegangen ist. Die innere Frage: „Ist Papa wegen mir gegangen?“ bleibt häufig schwammig und unausgesprochen. Eltern sind gut beraten, solche Dinge im Bewusstsein zu haben.

Aber egal, wie alt die Kinder alt sind, sie reden nur wenig über ihre Ängste und Befürchtungen, da ihre Eltern meist genug mit sich selbst zu tun haben. Welches Kind will schon ins Wespennest stechen, wenn die Gefahr besteht, dass Tränen fließen, oder Wuttiraden ausgelöst werden.

Gut ist es also, wenn die Eltern im Gespräch mit ihren Kinder die richtigen Fragen stellen, und den Kindern schon in einer Frühphase ihre Ängste nehmen könnten. Sollten sie allerdings aufgrund eigener heftiger Gefühle zu solchen Gesprächen nicht in der Lage sein, wäre es schön, wenn die Kinder andere Erwachsene als Beistand hätten. Ob das nun Großeltern, Geschwister oder Freunde der Eltern sind, ist egal. Wichtig ist, dass sie den Kindern gute Gesprächspartner sein können.

Kinder sind zu häufig allein mit ihren Sorgen. Denken Sie bitte daran: Kinder leiden leise.

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Almut Bacmeister-Boukherbata
Psychologische Beraterin & Paarberaterin in eigener Praxis seit 2001. In Hamburg lebend und praktizierend. Bietet seit 2010 auch mobile Beratung im Hamburger Umkreis an. Für alle, die nicht aus Ihrem Einzugsgebiet kommen, bietet sie Telefonberatung an. Ihre Arbeitsweise ist kreativ und intuitiv, Klientenbezogen. Bekannt unter dem Begriff: "Individuelle Wegbegleitung". Sie schreibt Bücher und betätigt sich künstlerisch.
Almut Bacmeister-Boukherbata

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