Die unterschiedlichen Bedürfnisse von ♀ & ♂

und weshalb Beziehungen schwierig sind

Beste Freundinnen sind wichtig


Natürlich geht es auch in diesem Beitrag, wie in all meinen Beiträgen, um Prinzipien. Das bedeutet, dass diese Dinge häufig so, und ähnlich auftreten. Diese Verallgemeinerungen beruhen also auf Beobachtungen, die mir in den gut 25 Jahren meiner Beratungstätigkeit immer wieder begegneten. Sicherlich gibt es Ausnahmen, denn Gott sei Dank sind wir alle verschieden.


Eins steht nicht erst seit Büchern fest, wie: „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ von John Gray, oder: „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ vom Ehepaar Pease: Frauen und Männer sind unterschiedlich, und das wirkt sich massiv auf unsere Beziehungen aus.

In den 68er, in denen Emanzipation nicht nur gepredigt, sondern erkämpft wurde, wurde vor allen Dingen ein Gedanke geprägt: Männer und Frauen sind gleich. Doch welch ein Trugschluss.

Eine ganze Generation junger Erwachsener wurde so in die Irre geführt, denn gemeint kann nur gewesen sein, dass beide Geschlechter gleichwertig, aber keinesfalls gleich sind.

In den Nachwehen dieser Zeit lebten junge Menschen, die sich also sicher waren, dass Frauen und Männer gleich ticken, aber sie wurden bitter enttäuscht.

Besonders ihre Beziehungen litten unter dieser Fehlannahme. Schließlich erwarteten die Frauen etwas von den Männern, das diese nicht zu leisten fähig waren. Sie erwarteten, dass ihre Männer gleich ticken würden, und wären, wie sie selbst. Somit waren Enttäuschungen vorgeprägt, denn die Frauen wurden naturgemäß enttäuscht.

Die Scheidungen häuften sich schon allein deshalb, weil viele Ehen unter diesen falschen Erwartungen geschlossen wurden.

Was wollen wir Frauen?

Austausch ist für Frauen Lebenselexier

Wir Frauen sind von klein auf an stärker als Männer an sozialen Kontakten interessiert. Uns ist das Gespräch ein Grundbedürfnis, und der Austausch mit Freundinnen überlebensnotwendig. Wir stellen über ein Gespräch, – das einander Erlebtes erzählen, Nähe her.

Ein Leben lang werden wir im günstigsten Fall von einer/der besten Freundin begleitet. Ihr können wir alles erzählen, und gute, sowie schlechte Zeiten mit ihr teilen. Und genau das ist es, was wir uns von unserem Partner wünschen. Er soll nicht nur Geliebter, Versorger, Beschützer, sondern auch bester Freund sein. 

Wir Frauen sind vielseitig interessiert, und immer wieder auf der Suche nach neuen Anregungen. So wollen wir mal das Eine, und man das andere erleben.

Darüber hinaus können wir uns viel mit unserem Innenleben beschäftigen, denn unsere eigenen Gefühle sind uns ebenso wichtig, wie die Menschen in unserem nahen Umfeld.

Gemeinsame Interessen und kuscheln, wie am Anfang

In der Regel sind wir lebendig, und sprühen vor immer neuen Ideen. Es ist uns ein Bedürfnis, diese Lebendigkeit mit unserem Liebsten zu teilen. Deshalb wollen wir viel Zeit mit unserem Partner verbringen, und dabei gern so verliebt sein, wie am ersten Tag.

Wir haben eine ganz eigene Form der Kommunikation, die der Erhaltung von Respekt und Achtung dient. So formulieren wir häufig weniger fordernd, und drücken uns eher in Frageform aus. Männer halten diese Form der Kommunikation für indirekt, wir für höflich und respektvoll. „Könntest du bitte Mal den Müll mit raus nehmen?“, lässt dem Partner nicht etwa die Wahl, sondern ist eine höfliche Aufforderung  es zu tun, und klingt doch viel besser als: „Nimm‘ den Müll mit raus.“ So klingt es dann meist auch, wenn der Respekt erst einmal verloren gegangen ist.

In der Partnerschaft wünschen wir uns jemanden, der ähnlich interessiert und kreativ ist, wie wir selbst. Jemanden, mit dem wir nicht nur unsere Erlebnisse teilen können, sondern auch jemanden, von dem wir hoffen, dass unsere Ideen auf fruchtbaren Boden fallen.

Wir wünschen uns einen Seelenpartner, der ähnlich denkt und fühlt, wie wir selbst, und der Vorschläge macht, die gemeinsame Freizeit zu gestalten.

Jemanden, der von sich aus sagt, wir sollten einmal renovieren, und neue Möbel kaufen. Wir brauchen jemanden, der ebenso, wie wir, Lust hat, schöne neue Dinge für die Wohnung zu kaufen, oder Freude am Umgestalten hat.

Mit sich selbst beschäftigt sein

So weit eine Minibeschreibung von uns Frauen.

Die Männer

Männer haben deutlich andere Bedürfnisse, als wir Frauen. Ist erst einmal die erste Verliebtheit vorbei, wünschen sie sich in erster Linie eins: Ein Zuhause, das ein Ruhepol ist. Sie können sich stundenlang etwa mit den Sportseiten der Zeitung beschäftigen, oder Freude daran haben, sich mit den neuen Automarken auf dem Markt zu beschäftigen. Dabei können sie tief in sich selbst versinken, und sind für ihre Gefährtinnen kaum noch ansprechbar.

Bereitwillig hören sie sich die Geschichten ihrer Partnerinnen an, doch damit anzufangen wissen sie nichts. Statt zu zuhören, und Anteil zu nehmen, versuchen sie sich darin, gute Tipps zu geben. Ihr Bedürfnis ist es, sich als Mann zu profilieren.

Sie erzählen gern von ihrem Beruf, und zeigen damit der Ehefrau, was sie geleistet haben. Was das allerdings mit ihnen zu tun hat, und in ihrer Gefühlswelt ausgelöst hat, erschließt sich uns Frauen nicht, weshalb wir in diesen Gesprächen ähnlich leicht ermüden, wie unsere Männer, wenn wir uns gerade zum 20. Mal wieder über unsere Freundin auslassen.

Er spürt seine Männlichkeit

Männer sind ganz bei sich, wenn sie sich selbst körperlich spüren, sei es beim Fußball, beim Kraftsport, oder beim Laufen und/oder Fahrradfahren etc. Dabei genießen sie die Ruhe, und den Ausgleich zu den Anforderungen das Berufslebens.

Gern sind Männer auch unter sich. Dort können sie sich zeigen, wie sie nun mal sind. Meist haben die Freunde keine ähnlich hohen Erwartungen an sie, wie die eigene Partnerin. Bei ihr hat ein Mann meist das Gefühl, dass sie an ihm zerrt, ihn verändern will, und eigentlich permanent unzufrieden ist, und er anders sein müsste.

Mit Kumpels hingegen kann er reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, und sich über die weibliche Hälfte der Menschheit gern auch sexuell  auslassen, ohne sich eine Rüge einzufangen.

Männer wollen einfach sein, wie sie nun mal sind. Das Ambiente daheim ist nicht so wichtig, und das bisschen Haushalt macht sich doch meist von allein.

Sie wünschen sich eine Partnerin an ihrer Seite, die nicht nörgelt, sondern im Gegenteil Verständnis für sie hat. Sie finden es gut, wenn ihre Partnerinnen ihnen den Rücken für den täglichen Kampf im Leben freihalten.

Männer freuen sich, wenn sie wissen, dass daheim eine liebende Frau auf sie wartet, und gleichzeitig genießen sie es, wenn diese Frau auch ihr eigenes Leben führt, und sich nicht komplett von ihnen abhängig macht.

Ihre Aufmerksamkeit muss sich dabei nicht permanent um die Partnerin drehen, sondern sie wenden sich lieber Dingen zu, die ihre Aufmerksamkeit erregen.

Gemeinsamkeiten verbinden

Auch wenn meine  Beschreibungen Plattitüden und Klischees sind, so ist dies dennoch der Versuch, bestimmte Punkte heraus zu arbeiten.

Es sind die Punkte, bei denen Paare leicht aneinander geraten, weil sie unterschiedlich ticken, und grundverschiedene Bedürfnisse haben.

Während SIE normalerweise auch nach vielen Jahren der Beziehung noch das Bedürfnis hat, sich mit ihm auszutauschen und Nähe durch emotionale Gespräche herzustellen, möchte ER häufig einfach nur noch seine Ruhe haben. 

Wenn SIE unglücklich in der Beziehung ist, versucht SIE mit ihm darüber zu sprechen. Da diese Gespräche aber häufig nichts verändern, wiederholt sie ihre Anliegen unzählige Mal.  ER empfindet dies als nörgeln. Die beiden kommen da einfach nicht zusammen, da auch ihr Ton tatsächlich von Mal zu Mal schärfer wird. Beide sind genervt voneinander.  

ER zieht sich aus Selbstschutz immer mehr aus der Beziehung zurück, und beide werden immer unglücklicher.  

SIE möchte gern Leben und neuen Schwung in die Beziehung bringen, während ER einfach nur seine Ruhe haben möchte. 

Wünsche & Ansprüche beider Beziehungspartner klaffen weit auseinander. Die Beziehung wird nicht nur deshalb immer schwieriger.

Beide Beziehungspartner sind enttäuscht voneinander, denn ihre anfänglichen Wünsche & Erwartungen wurden vom Gegenüber nicht erfüllt.

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Almut Bacmeister-Boukherbata
Psychologische Beraterin & Paarberaterin in eigener Praxis seit 2001. In Hamburg lebend und praktizierend. Bietet seit 2010 auch mobile Beratung im Hamburger Umkreis an. Für alle, die nicht aus Ihrem Einzugsgebiet kommen, bietet sie ebenfalls Telefoncoaching an. Ihre Arbeitsweise ist kreativ und intuitiv, Klientenbezogen. Bekannt unter dem Begriff: "Individuelle Wegbegleitung". Sie schreibt Bücher und betätigt sich künstlerisch.
Almut Bacmeister-Boukherbata

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