Besinnliche Weihnachten – oder doch Familienstreit?

Streit kommt in den besten Familien vor

Weihnachten – einfach schön…

Aber warum gerade immer zu den Feiertagen? Ist das bei euch auch so, dass gerade zu den Feiertagen Streitereien eher mal eskalieren? Gerade besonders dann, wenn von allen Seiten so etwas wie Harmonie, Frieden, Besinnlichkeit erwartet wird?

Zugegeben, es ist schwierig, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Alle träumen von einer besinnlichen Weihnacht, mit Familienglück und großer Harmonie. Die Feiertage sollen nach Möglichkeit die schönsten Tage des Jahres werden. Alle Familienmitglieder sollten tunlichst glücklich sein, der Tannenbaum geschmückt, und die Stube festlich glänzen.

Auf dem Festtisch soll wundervolle Deko die Freude am Essen erhöhen, und das Essen selbst höchsten Ansprüchen genügen. In einer Zeit, in der jeder Deko-Ideen bei youtube anschauen kann, und zu allen Rezepten der Welt Zugang hat, wachsen die Wünsche an das eigene Fest. Fernsehsendungen machen vor, wie gelungene Gerichte auf festlich geschmückten Tischen belobigt oder gegebenenfalls auch zerrissen werden. Also geben wir uns besonders Mühe, um zumindest bei unseren Familienmitgliedern zu punkten.

Alles soll also so schön, so lecker, so harmonisch sein, wie es irgend geht. Wir Menschen erwarten von uns, auf Knopfdruck glücklich zu sein, weil das Fest ja nicht vom Himmel fällt, und wir uns ein ganzes Jahr darauf vorbereiten können. Besonders in unseren familiären Beziehungen erwarten wir ein besonderes Maß an Friedlichkeit und Weihnachtsstimmung. Die Realität sieht jedoch anders aus. Unsere Ansprüche an die Feiertage sind enorm gewachsen.

Jedes Familienmitglied hat ganz eigene Vorstellungen von dem, was besonders schön und zufrieden stellend ist. Diese Vorstellungen sind geprägt von den Medien, die ihnen besonders am Herzen liegen. Aber anstatt miteinander zu sprechen, über die Vorstellungen und Wünsche jedes Einzelnen, um gemeinsam eine Umsetzung dieser Erwartungen und Wünsche hinzu bekommen, bleibt zumindest in einem Punkt alles beim Alten.

Die Frauen, Mütter, Partnerinnen tragen wie eh und je die Hauptlast. Sie sind es, die wissen, wie ES zu laufen hat, und sie sind die Königinnen des Festes. Sie sind es, die für eine traumhafte Deko sorgen, den Essensplan für die Festtage zusammenstellen, und für alle Lieben Geschenke besorgen, und sogar auch noch einpacken. Sie sind es, die bereits wochenlang vorher für gute Stimmung sorgen, mit selbst gebastelten Weihnachtskalendern, Nikolausgeschenken, und vorweihnachtlicher Deko. Sie sind es, die für eine wundervolle Adventszeit sorgen.

Überlastung und das Gefühl, allein gelassen zu werden, führen zu Wut

Sie sind es auch, die nach Wochen des dauerhaften Stress‘ und der meist alleinigen Fest-Organisation, dann bei der Bescherung mit ihrem eigenen Aussehen glänzen, und die Familie erfreuen. Wen wundert es, dass diese Königin irgendwann die Nase davon voll hat, dass nur sie, und sie allein die weihnachtliche Logistik machen muss. Dass Ehemann und Kinder zwar nicht helfen, aber vielleicht nörgeln, weil sie sich langweilen, oder etwas nicht nach ihrem Gusto geht.

Überlastung und das Gefühl, allein gelassen zu werden, sorgen für schlechte Stimmung. Nun brechen auch Themen durch, die alt sind, und mit Weihnachten eigentlich nichts zu tun haben. Wenn die Laune schon einmal auf dem Tiefpunkt ist, dann kann man doch auch gleich…

Es sind die Erwartungshaltungen, die dafür sorgen, dass der Haussegen schnell schief hängt.

Die Frau erwartet, entlastet zu werden, und einen Partner an ihrer Seite zu haben, der die festliche Organisation genauso gut übernehmen kann, wie sie selbst. Er erwartet, dass sie alles allein macht, weiß sie ja doch immer alles besser und Recht machen, kann man ihr eh nichts.

Klar, dass die Festtage häufig für einen Zusammenbruch der Harmonie sorgen. Die Arbeit für das Fest ist getan, aber der Haushalt ruft dennoch weiterhin. Die freien Tage wollen angefüllt werden, und von der Langeweile befreit. Nie sitzt man so dicht aufeinander, wie in diesen Tagen. Einfach, weil Weihnachten nun mal ein Fest der Familie ist. Ein lebendiger Austausch, der nun für eine gute Kommunikation sorgen würde, hätte bereits früher eingeübt werden müssen.

Aber es nie zu spät! Jetzt anrufen, und die Veränderung einleiten. ;-))

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Almut Bacmeister-Boukherbata
Psychologische Beraterin & Paarberaterin in eigener Praxis seit 2001. In Hamburg lebend und praktizierend. Bietet seit 2010 auch mobile Beratung im Hamburger Umkreis an. Für alle, die nicht aus Ihrem Einzugsgebiet kommen, bietet sie Telefonberatung an. Ihre Arbeitsweise ist kreativ und intuitiv, Klientenbezogen. Bekannt unter dem Begriff: "Individuelle Wegbegleitung". Sie schreibt Bücher und betätigt sich künstlerisch.
Almut Bacmeister-Boukherbata

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