Auf den Spuren der Vergangenheit

Wie uns Kindheitserfahrungen prägen

Prägungen fangen bereits im Babyalter an

Immer wieder kommen Klienten zu mir, die im Hier & Jetzt Probleme haben, die auf frühe Erlebnisse und Prägungen in der Kindheit zurück zuführen sind.

Gerade auch in der Paarberatung stolpere ich oft über Verhaltensmuster, die nur damit zu erklären sind, dass der eine oder andere Beziehungspartner Reaktionen in der Partnerschaft zeigt, die bereits im Elternhaus ausgeprägt wurden.

Dabei geht es hier nicht (nur) um schlechte Erfahrungen, die ihrerseits die Prägungen aus der Kindheit noch verstärken. Vielmehr geht es um Dinge, die unsere Eltern uns beigebracht haben, irgendwann einmal gesagt haben, oder durch deren Verhalten bei uns ausgelöst wurden. Auch können andere Familienmitglieder Einfluss genommen haben, ebenso wie alle Menschen aus der näheren Umgebung eines Kindes. Jede Begegnung kann eine Prägung nach sich ziehen, wenn sich dadurch ein Schatten oder ein Strahl auf die Seele des Kindes gelegt hat. Dazu gehören Erfahrungen aus dem Kindergarten ebenso dazu, wie aus der Schule.

Angst vor Autoritäten kann z.B. in der Schule seinen Anfang genommen haben

Gute und schlechte Prägungen

Die guten Prägungen begleiten uns ein Leben lang, ebenso, wie die negativen. Während die guten Erfahrungen uns stärken, uns helfen, selbstbewusst und freudig durch unser Leben zu gehen, sorgen die weniger guten Erfahrungen dafür, dass wir unter Umständen auch im Erwachsenenalter noch unter ihnen leiden. Auch wenn jahrelang keine Spuren dieser Prägungen spürbar waren, so kann ein ähnliches Erlebnis die alten Prägungen wieder reaktivieren.

Wir alle haben unser Päckchen zu tragen, die einen etwas mehr, die anderen etwas weniger. Das soll heißen, dass wir alle naturgemäß Prägungen ausgesetzt waren. Ähnliche Erlebnisse jedoch können dennoch unterschiedliche Prägungen hervorrufen. Das nämlich hängt u.a. vom Charakter des Einzelnen und seiner Resilienz* ab.

Angenommen, du musst mit deinem Chef sprechen, und dich überfällt jedes Mal eine regelrechte Panik, allein bei diesem Gedanken. Nun kann es sein, dass du einen besonders netten Chef, eine besonders nette Chefin hast, du aber dennoch ängstlich reagierst. Warum das so ist, weißt du jedoch nicht. Ein guter Grund, sich auf den geistigen Weg in die Vergangenheit zu machen.

Selbstreflexion hilft bei der Spurensuche

In Form einer Selbstreflexion kannst du überlegen, woher du eine solche Situation kennst, die Angst einflößend war. Vielleicht hattest du einen Lehrer, eine Lehrerin, der/die nicht gut auf dich zu sprechen war, und dir immer wieder Angst machte, weil er/sie dich bestrafte. Das würde erklären, warum du dich Autoritätspersonen ausgeliefert fühlst. Vielleicht schimpften auch deine Eltern öfter mit dir, als du noch ganz klein warst, und genau das machte dir Angst. Natürlich sind das nur 2 Möglichkeiten von einer Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungen, die ein Mensch machen kann.

Hast du einen aggressiven, wenig verständnisvollen Vorgesetzten, der dich übervorteilt, kannst du so besser verstehen, warum du dich so wahnsinnig machtlos fühlst, und gar nicht erst versuchst, mit ihm oder ihr zu sprechen.

Seelische Erschütterungen aus der Kindheit wirken u.U. auch noch im Erwachsenenalter nach

Sich selbst besser kennen lernen

Es ist spannend, sich auf die Spuren in die eigene Vergangenheit zu machen, weil man dadurch immer mehr über sich selbst und seine Reaktionen lernt. Man lernst sich besser kennen, und kann sich so in seiner Persönlichkeit weiter entwickeln.

Prägungen können wir uns wie Einkerbungen auf unserer Seele vorstellen. Es sind bestimmte Erfahrungen, die einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen haben.

Je nach Situation und persönlicher Empfindsamkeit gibt es Vieles, was keinerlei Spuren hinterlässt, anders, was sich einkerbt. Wird diese Einkerbung durch ein ähnliches Erlebnis reaktiviert, so vertieft sich die Kerbe gefühlt, und prägt sich weiter aus.

Ein Beispiel:

Ein Vater reagierte auf eine „2“ in einer Mathearbeit mit dem Satz: „Und warum ist es keine „1“ geworden.“ Er zeigte keine Anerkennung, kein Lob, keine Freude. Das Kind empfindet die Reaktion als Kritik. Es prägt eine Kerbe aus, die den Namen: „Ich bin nicht gut genug“, trägt.

20 Jahre später, sagt der Chef zu seinem Angestellten, eben diesem erwachsen gewordenen Kind: „Kollege X löst Sie jetzt ab.“ Ein Satz, sachlich und klar geäußert. Der Erwachsene fühlt sich unbewusst an seine Kerbe erinnert, und hört: „Sie sind nicht gut genug, und werden deswegen abgelöst.“ Wut und Verzweiflung steigen in ihm auf, und er hat große Lust, den Job hinzu werfen. Er macht seinem Ärger Luft.

Als Kollege X kommt, sagt dieser: „Unser Chef wollte gern, dass ich dich ablöse, damit du endlich Feierabend machen kannst. Er meint: „Nur ein erholter Angestellter ist ein gesunder Angestellter.“

Prägungen können für Frust und Rückzug sorgen, weil sie für Missverständnisse sorgen

Eine Erkenntnis

Klar wird in diesem Moment, dass die geprägte Person seinen Chef missverstanden hat, und dessen Fürsorge genau in das Gegenteil verkehrte. Sie hat sich selbst herab gewürdigt, und die eigene Prägung: „Ich bin nicht gut genug.“, fälschlicherweise aktiviert. Zudem hat sie nicht adäquat gehandelt, indem sie z.B. mit Freude und Dankbarkeit reagiert.

Da hilft nur eins: Mithilfe von Selbstreflexion den Ursachen auf den Grund gehen.

Du siehst, es gibt unzählige Prägungen, die gravierende Auswirkungen auf das Erwachsenen Leben haben. Die Psyche ist kompliziert, und mit allen Wässerchen gewaschen. Gehe also achtsam mit dir um, und bleibe dann aufmerksam, wenn du an dir Verhaltensweise bemerkst, die der Situation nicht angemessen sind.

Ich kann dir dabei helfen, derartige Prägungen zu erkennen.

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*Resilienz (Psychologie) laut Wikipedia:
Resilienz (von lat. resilire ‚zurückspringen‘, ‚abprallen‘) oder psychische Widerstandsfähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen.

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Almut Bacmeister-Boukherbata
Psychologische Beraterin & Paarberaterin in eigener Praxis seit 2001. In Hamburg lebend und praktizierend. Bietet seit 2010 auch mobile Beratung im Hamburger Umkreis an. Für alle, die nicht aus Ihrem Einzugsgebiet kommen, bietet sie ebenfalls Telefoncoaching an. Ihre Arbeitsweise ist kreativ und intuitiv, Klientenbezogen. Bekannt unter dem Begriff: "Individuelle Wegbegleitung". Sie schreibt Bücher und betätigt sich künstlerisch.
Almut Bacmeister-Boukherbata

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